Orange AD30R

Testbericht

Dies wird wohl der schwierigste Testbericht werden, welcher ich bisher geschrieben habe. Warum? Nun ja, hier fängts schon an…

der orange Orange AD30R

Schaltungsdesign

Ein simples Design. Ein Kanal mit einer ECC83 Röhren im Preamp, einer ECC83 in der Phasenumkehrstufe und vier EL84 in der Endstufe. Eine weitere ECC83 für die Reverbstufe und eine GZ34 zur Gleichrichtung. In Sachen Röhren also sehr gängig und gut erhältlich. Da die Endstufe recht anders aufgebaut ist als bei einem VOX AC30, zerrt sie zusammen mit der PHasenkehrstufe recht schnell und hart an.

Aufbau und Design

Gebaut wie ein Panzer. Und schwer wie ein Panzer im vergleich zu anderen Combos dieser Kategorie. Das dicke Amp-Gehäuse bringt also noch ein paar Kilos mehr als mein alter VOX AC30 und ist mit 35kg ein regelrechter Rückenbrecher. Zum Glück oder gerade deswegen hat dieser Amp zwei seitliche, wunderbare Traggriffe. Es soll also niemand auf die Indee kommen, ein solches Monster alleine zu tragen.

Die Bespannung vor den Lautspechern sei noch erwähnt: Das ist verzwirntes, speziell behandeltes Papier. In den 70ern wurde es günstig und gern hergestellt für Stühle sowie Radio-Bespannungen. Orange hat es etwas Zweckentfremdet.

Persönlich finde ich es mutig bis frech, Die ganze Amp-Reihe basierend auf dem Firmennamen in orange zu halten. Richtig gefallen tun mir diese Amps nicht. Richtig hässlich finde ich sie ebenfalls nicht.

Hässlich und grässlich finde ich jedoch das maximal verzierte, zweite Logo oberhalb vom Orange Logo. Warum um himmels willen wurde dies gemacht. Was soll ein solches Logo auf einem Amp? «Orange» hätte doch auch ausgereicht, nicht?

Open Back. Ein Blick auf die Celestion G12 Vintage Lautsprecher

Ausstattung

Das simple Panel mit zwei Eingängen (LO und HI) sowie Gain, Reverb, Bass, Middle und Treble sowie Master sorgt für eine einfaches Setting. Einfachere Panels gibts meines Wissens nach nicht bei anderen Orange Modellen. Dass der Gain- sowie der Master-Knopf grösser sind als die restlichen Regler finde ich ein sinnvolles Detail. Die Regler an und für sich gefallen mir aber nicht unbedingt. Nur ein kleinstes Manko. dass an beiden Aussenseiten des Panels zwei verchromte Griffe positioniert sind soll vermutlich helfen, dass die Regler nicht versehentlich verstellt werden beim Transport. Möglicherweise lässt sich das Chassis bei einer Reparatur einfacher herausheben. Ein nettes Detail.

Zur Beschallung dienen zwei Celestion G12 Vintage 12-Zöller. Ein Monsterpaket von der lauteren Sorte.

das schneeweisse Panel und der schwarze Kühlergrill

Wie kommt Orange nur drauf, ein weisses Panel zu designen? Keine Ahnung, aber es hebt sich so ziemlich ab von allem, was ich noch so kenne. Gelungen, wie ich finde.

Sound

Achtung, nun kommts: Ich weiss nicht so recht wie ich den Sound bezeichnen soll. Als ich den Amp das erste Mal antestete, erwartete ich den klassischen VOX AC30 Sound. Vier EL84 und zwei Celestion Lautsprecher suggerierten mir das. Die Bezeichnung «AD30R» ebenfalls. Absolute Fehlanzeige! Der Amp tönt eher griesig, körnig und erst wenn der Amp kräftig aufgedreht wird, kommt ein einigermassen cleaner Sound raus. Ich war absolut verblüfft über diesen Sound, welchen ich so gar nicht erwartete. Offenbar ist die Phasenumkehrstufe und die Beschaltung der vier EL84-Röhren nicht vergleichbar mit einem AC30.

Klingt er schlecht? Nein nicht wirklich. Einfach sehr eigen. Ich mag ihn, hätte Lust, mal einen zu besitzen. Jedoch kann ich mich fast nicht mit dem Gedanken anfreunden, einen kompletten Gig nur auf diesem Amp zu spielen.

Fazit

Ob ich jemals so einen Amp kaufen werde? Ich muss nochmal eine Nacht drüber schlafen. Habe ich die letzten 7’500 Tage auch schon so gemacht.

gute Griffe helfen, dieses Monster zu tragen