Marshall MG30DFX
Testbericht
Ich halte es schon wieder kurz. Dies ist ja nur ein Transistor-Amp aus den 2000ern und kein Tube-Amp… War mal mein Übungsamp zu Hause. Dann bemerkte ich, das Tube-Amps bemerkenswert sind. Und dass diese ihren Preis haben.
Schaltungsdesign und Aufbau
Über die Schaltung kann ich leider herzlich wenig von mir geben. Tatsächlich hat er die für Marshall üblich dimensionierte Klangregelstufe drin. Inklusive dem Contour-Regler, der mir noch nie richtig sympathisch war. Die Rückseite ist halboffen, wie sich das aus meiner Sicht gehört. Der 10-Zoll Lautsprecher macht einen guten Job.
Ausstattung
Qualitativ und für den Preis OK, goldene Panels gefallen mir jedoch nicht. Die Poti-Knöpfe ebenfalls nicht. Die zu klein geratene Beschriftung ebenfalls nicht. Das Logo hingegen hat mir vom Schriftzug her schon immer gefallen, ist aber nicht massgebend an dieser Stelle.
Sound
Clean hat er nie geklungen, wie ich mir einen cleanen Kanal gewünscht habe. Mit Overdrive war der Signature-Sound von Marshall voll da. Contour-Regler nach links: klingt nach Marshall! Auf Mittenstellung: Klingt irgendwie nach Marshall. Ganz nach rechts: klingt anders, aber doch: ja – nach Marshall! Ich hatte meinen Spass an diesem rockigen Sound. Die Freude dauerte jedoch nur kurz an, dann kam die Ernüchterung.
Jetzt kommt die bittere Pille: Dieser Amp hat keine brauchbare Dynamik. Ob’s an der Schaltung liegt, oder ob da noch eine DSP rein pfuscht, kann ich nicht sagen. Was ich bald beschloss: er musste weg und endlich was ganz Gutes her! Dies war ein mühseliger, teurer und unnötiger Weg, bis die Erleuchtung kam: Ich brauche einen Röhren-Amp – koste es was es wolle! Und es wurde ein VOX AC30…
Ach ja: die netten Effekte auf einem einzigen Regler haben nicht geholfen:
- Reverb soll immer an sein – es kann jedoch nur zwischen Reverb oder Chorus oder Flange oder Delay gewählt werden.
- Die Unterteilung dafür auf ein Poti zu legen ist eine Spielerei.
- Der Reverb klingt recht gut.
- Der Chorus gefällt mir eh nicht, daher keinen Kommentar.
- Der Flanger klingt zu synthetisch und lässt sich nicht gescheit regeln.
- Das Delay klingt ok aber lässt sich ebenfalls nicht gut dosieren.
Fazit
Hat dazu geführt, dass ich Marshall generell nicht mag. Fair? Vermutlich nicht, jedoch fand ich den Fender Bullet Reverb ganz OK– und das ist ebenfalls nur ein Transistorverstärker.
Ein Übungsamp für alle AC/DC-Fans und kleinen Jungs, die wie Rockstars klingen möchten. Der Sound ist gut, macht aber keinen Spass zum Üben, weil die Dynamik fehlt. Soviel zur Zielgruppe der potentiellen Käufer. Live ist das Ding nicht zu gebrauchen.
Falls ich dennoch wieder mal Lust und Geld habe für Marshall, wird es ein Marshall Bluesbreaker sein. Der hat ebenso ein goldenes Panel und winzige Beschriftungen, aber klingt dafür wirklich gut und hat die notwendige Dynamik.