Fender The Twin (red knobs)
Reparatur
Einleitung
Dieser Verstärker gehört einer Kollegin und wurde mit einem defekten Eingangskanal 1 sehr günstig gekauft. Er ist berühmt (oder berüchtigt) für seine für Fender untypischen, roten Knebel-Knöpfe. Die ersten «The Twin’s» wurden Mitte 80er Jahre gebaut und sind häufig auch bekannt mit dem Zusatz «Red Knob». Über den Geschmack des Amp-Designers kann man sich streiten. Zwar sind diese Verstärker etwas verpönt (es gibt auch Transistor-Amps aus der «Red Knob»-Serie) - jedoch ist dieser Amp eine Klasse für sich!
Fehlersuche
Das Chassis mit den Röhren und den Trafos konnte ich relativ einfach ausbauen und neben den Verstärker hinstellen. Nach dem Austausch der Vorstufen-Röhren vom Kanal 2 zu Kanal 1 musste ich feststellen, das der Fehler nicht an dieser Stelle zu suchen ist. Als nächstes begann ich die Speisespannungen, welche netterweise im Schema eingezeichnet sind, zu prüfen. Auch diese waren in völlig in Ordnung. Beim Messen der Spannungen an den Anoden der Vorstufenröhren stellte ich jedoch fest, das bei einer ECC83-Röhre nur bei der ersten Stufe eine Spannung an der Anode zu messen ist. Die zweite hatte exakt Null Volt. Ein kurzer Blick im Schema genügte, um herauszufinden das zwischen der Speisespannung (B) und der Anode ein 100kOhm Widerstand sein sollte. Meine Folgerung: Entweder ist hier ein Kurzschluss zwischen der Anode und der Masse oder der Widerstand ist verbrannt. Nach dem Ausstecken des Verstärkers und Entladen (!) konnte mir das Ohm-Meter weiterhelfen. Ich konnte beim besten Willen keinen 100kOhm Widerstand messen zwischen Speisung (C) und der Anode.
Zerlegung und Reparatur
Nach dem inspizieren des Chassis stellte ich fest, das der Widerstand leider auf der angeschraubten Leiterplatte hinter der Frontplatte versteckt ist. Die Leiterplatte muss also komplett ausgebaut werden. Das bedeutet Fleissarbeit! Sämtliche roten Knöpfe müssen von den Potentiometer-Achsen abgezogen, sowie alle Muttern der Potentiometer abgeschraubt werden. Der verkohlte Widerstand war dann verhältnismässig schnell aufgespürt und ausgewechselt. Nach dem Einschalten des Verstärkers konnte ich mir ein Grinsen nicht mehr verkneifen – beide Eingangskanäle funktionierten einwandfrei.
Testbericht
Ausstattung
Mit 4 Röhren vom Typ 6L6 bringt er schon fast brachiale 100 Watt aus den 2 Fender-Lautsprechern – und dies glaubt man bei der ersten Hörprobe auf’s Wort! Damit man ihn auch in einem Bandraum vernünftig spielen kann, ohne das die Bandmitglieder was zu meckern haben, empfiehlt es sich, den Verstärker-Output auf «LO» zu stellen (25 Watt). Ebenfalls lassen sich 2 Endstufenröhren offenbar entfernen, um die Leistung auf 60 Watt; respektive 15 Watt umzuschalten. Er besitzt 2 umschaltbare (auch per Fusstrittschalter) Eingänge. Etliche Features findet man auch auf der Rückseite: 3 Jack-Buchsen für das Einschleifen von Effekten zwischen Vorverstärker und der Endstufe mit Pegelanpassung per Stufenschalter. Eine XLR-Buchse für Line-Out, 3 Lautsprecherausgänge und ein dazugehöriger Impedanz-Schalter. Fast vergessen hätte ich den Standby-Knopf. Er sitzt zwischen dem Output und dem Power-Schalter.
Sound
Der erste Eingang wird für Clean-Sounds verwendet und hat nur ein Mastervolume wie beim guten alten VOX AC30. Der 2. Eingang hat zusätzlich einen Gain-Regler, mit welchem man dann die Vorstufe zum Verzerren bringt. Leider ist der Fusstrittschalter nur begrenzt brauchbar, da er die Eingänge merklich verzögert umschaltet. Die Verzerrung des 2. Eingangs lässt für meinen Geschmack zu wünschen übrig – Clean gefällt er mir besser. Dies mag auch an der aktuellen Röhrenbestückung gelegen haben. Ansonsten tönt dieser Amp eben wie ein Fender Twin tönen muss: präzise, glockenhell, glasklar und mit einer Dynamik, welche einen umhaut!
Fazit
Ein heutzutage relativ günstig erhältlicher Amp, welcher besser tönt, als sein Ruf ist. Er ist bühnentauglich und hat für einen Proberaum schon im Grunde genommen zuviel Leistung unter der Haube. Wem die roten Knöpfe nicht gefallen, darf diese selber austauschen. Es sind insgesamt 11 Stück ☺