Fender Hot Rod Deluxe III
Testbericht
Einleitung
Nachdem mein VOX AC30 nach 50 Jahren mit einem tiefen Brummen auf die Klangwerkbank gewandert ist hat mir mein Bandkollege netterweise seinen privaten Amp für die Proben und zwei Auftritte zur Verfügung gestellt. Ich konnte ihn also recht ausgiebig testen.
Ausstattung
Das Panel ist für meine spartanischen Verhältnisse recht üppig geraten. Zuviele Regler und Schalter für meinen Geschmack. Einen «Middle»-Regler stört mich eher. Auch mit dem Presence-Regler konnte ich noch nie was anfangen. Auch damals bei meiner Marshall Transistor-Büchse (sorry, -Amp) nicht. Mein Motto: «nur das Nötigste soll eingestellt werden können, der Grundsound muss schon von Anfang her richtig und gut klingen». Seit der Einführung von Smartphones, Tabletts und dergleichen sind wir uns ja den überflüssigen Schnickschnack immerhin gewohnt.
Einrastende, kleine Druckschalter mag ich übrigens gar nicht. Einerseits habe ich schon zu viele gleicher Bauart erlebt, welche nicht mehr sauber schalteten, andererseits sieht man auf einen Blick, dass der Schalter möglicherweise eventuell vielleicht auf «ON» steht – oder doch nicht? Knebelschalter dagegen würde ich sehr bevorzugen.
- 2 Eingänge
- 1 (loud!)
- 2 (normal)
- Normal / Bright Schalter
- Volume
- More Drive Schalter
- Drive
- Treble
- Bass
- Middle
- Channel Select Schalter
- Master
- Reverb
- Presence
- Preamp OUT
- POWER AMP IN
- Fusstrittschalter und Eingang am Amp
- rote Powerleuchte
- Standby-Schalter
- ON-OFF-Schalter
Wieder mal ein Amp mit Standby. Den habe ich brav benutzt. Bei meinem VOX AC30 habe ich
diese Wahl zum Glück nicht, sonst müsste ich mir noch Gedanken über Sinn und Unsinn vom
Standby-Schalter machen.
Ob der Preamp-Ausgang etwas taugt konnte ich nicht testen.
Sound
Diese Kiste klingt sehr gut. Am meisten mag ich den Clean-Sound. Der Federhall ist für mich zwar ungewohnt, jedoch finde ich ich dezent eingestellt richtig gut. Der Overdrive-Sound ist so, wie ich ihn mir von einer übersteuerten ECC83-Vorstufe vorstelle. Nicht schlecht aber ich mag meine Effektpedale dafür lieber. Der Amp hat eine sehr gute Dynamik wie ich dies von einem Röhrenamp erwarte. Die Lautstärke habe ich im Probelokal auf 2 eingestellt und musste vom Loud-Eingang auf den Normal-Eingang switchen. Mit Humbucker-Gitarren kann der Amp ansonsten problemlos umgehen. Ungewohnt ist der Anblick Auf den Celestion G12P-80 Speaker. Wurden dieser Speaker tatsächlich von Fender in diese Amps eingebaut? Offenbar schon. Sogar der Nachfolger, der Hot Rod Deluxe IV hat einen Celestion Speaker verbaut. Allerdings ist da ein A-Type verbaut, welcher sich vermutlich wieder dem klassischen «amerikanischen» Sound annähern soll. Vermutlich hatte es in der Community der Fender-Amps einen Aufschrei gegeben, als sie feststellten, dass ein britischer Speaker verbaut wurde. Trotzdem mag ich den Sound genauso wie er ist.
Fazit
Dieser Amp ist richtig laut und hat einen sehr guten Klang. Beinahe egal, wie er eingestellt wird tönt er astrein. Mit der Leistung von 40 Watt ist er für das Probelokal schon zu laut und muss «stark gezähmt» werden. Wer den typischen Fender-Sound (wie vom Twin) liebt, wird von diesem Amp enttäuscht sein. Die Heirat von einem Fender-Chassis mit einem Celestion-Speaker ist nicht jedermanns Sache. Da ich mir jedoch den Sound von meinem VOX AC30 gewohnt bin, kam mir dieser Amp gerade recht. Der Sound kam mir trotz anderer Röhrenbestückung und Schaltung auf Anhieb wirklich sehr vertraut vor. Da sieht man mal, wie sehr ein Speaker den Sound eines Amps prägt.
Das Gewicht ist übrigens für einen dermassen lauten Amp voll OK. Ein Fender Twin wäre bestimmt schwerer.