Meine Software-Unabhängigkeitserklärung

Ich bin vorbelastet

Mein Hang zu freien Software war irgendwie schon früh da – nur gab es damals noch keinen Namen dafür. Mit Computer gestartet habe ich, als BASIC-Code noch in Textform in Büchern und Magazinen veröffentlicht wurde. Wer das Programm bearbeiten wollte, musste es abtippen, damit es hoffentlich auf dem eigenen C64 lauffähig wurde. Heute undenkbar. Bei Games war zu der Zeit Raubkopieren bereits gross in Mode. Ich konnte nie etwas damit anfangen. Später war ich mit DOS unterwegs. Erst von Microsoft, dann lieber mit DR DOS. Zugriff zu freier Software ausser ein paar eigenen kleinen Progrämmchen hatte ich nicht. Einzig Shareware-Programme hatten Einzug auf meinen Computer gehalten. Statt einer Raubkopie vom Norton Commander benutzte ich lieber den Volkov Commander.

Richtig wohl war mir erst, als ich 1996 das erste SuSE-Linux auf meinem Computer installierte und es schnell geschafft hatte, komplett weg von Windows zu kommen – ganz ohne Dualboot. Dies war mein selbsterklärtes Ziel. Mit genügender Kenntnisse der Computer-Hardware konnte bereits damals ein grafischer Fenstermanager unter X11 gestartet werden. Da dämmerte es mir, dass ich privat nichts mehr mit Software zu tun haben wollte, welche nicht Open Source war.

Heute

Ist es heutzutags besser geworden durch Linux? Für mich privat: ja! Mit Debian bin ich seit der Version «Woody» (2002) dabei. Der MidnightCommander und Vim haben mich seither begleitet.

Seit geraumer Zeit wir jedoch die Industrie überschwemmt mit neuen Linux Distributionen, Software und Automatisierungen. Die ganz grossen Tech-Konzerne haben längst die Lunte gerochen und mischen ganz vorne mit. Perfiderweise hat gerade Microsoft sich Git von Linus Torvalds zu eigen gemacht und alles umgedreht. Durch den zentralen GitHub-Serverspace für Entwickler hat Microsoft eine Umgebung geschaffen, welche an ihre Cloud und andere Software binden, ohne dass man es richtig merkt. Nicht aus Wohlwollen der Menschheit, sondern um ihre KI mit sämtlichen Daten zu trainieren. Auch Visual Studio Code funktioniert nach demselben Prinzip. Microsoft sammelt damit Daten, wie du und ich Code schreiben oder welche Programmiersprachen wichtiger werden. Das trojanische Pferd ist neu erfunden worden und verschafft Microsoft eine ungeahnte Monopolstellung. Ist das legal? Entscheide dür dich selbst! Ein unglaublich mächtige Suite, welche nichts kostet bringt also momentan Millionen von Entwicklern dazu, KI gestützt bequem Code zu schreiben. Ich selbst war bislang ebenfalls keine Ausnahme. Code kann in Sekundenschnelle vervollständigt, korrigiert abgeändert oder «neu» geschrieben werden.

Linus Torvalds hat vor über 20 Jahren git entwickelt mit der Absicht, Kernel Code dezentral zu verwalten. Microsoft hat diesen Mechanismus verwendet, um das komplette Gegenteil zu bewirken. Ein zentraler Server, welcher Unmengen von Code hostet.

Meine Entzugskur

All das entspricht überhaupt nicht meiner Vorstellung von freier Software. Nur: wer kommt heute noch ohne KI-Agents aus? Füttern wir diese nicht konstant mit persönlichen Daten?

Ich bin von Visual Studio Code und GitHub wieder auf Vim umgestiegen. Ich werde den Gedanken antrainieren, dass ich jeden einzelnen Buchstaben selber eingetippt habe und mir dies deshalb ein gutes Gefühl gibt. Mein Text und mein geistiges Eigentum. Meine eigene Software ist nun wieder auf meiner Webseite zu finden wie früher.

Windows werde ich privat weiterhin meiden, Die ganze MS-Office Suite ebenfalls. Andere grosse Tech-Giganten ebenfalls.

an Microsoft et al: ich bin weg. Hallo Debian!

gut, dass es dich gibt!