Meine japanische Werkzeugkiste

Daiku no Dōgubako (Werkzeugkiste) 大工道具箱

Eine weitere Werkzeugkiste in Arbeit. Mein Ziel: Eine würdige Aufbewahrung meiner japanischen Stechbeitel.

Das erste Buch von Toshio Odate hat mich inspiriert, dieses Projekt anzugehen.

Dieser Klassiker fand bei weitem nicht nur beim Schreiner Verwendung, sondern wurde früher in Japan gerne verwendet, um Sachen zu verstauen oder zu transportieren. Platz für eine komplette Werkzeugwand war eher selten vorhanden und viele Arbeiten wurden beim Kunden direkt vor Ort erledigt. Die Besonderheit dieser Kiste ist, dass sie an die Grösse der Werkzeuge angepasst wird. Sie wird aus leichtem Holz zusammen gezimmert und soll keinen Schönheitswettbewerb gewinnen. Deswegen werden die Bretter auch nur mit Nägeln zusammen gehalten und nicht mit wunderschönen Schwalbenschwanz-Verbindungen oder dergleichen. Die schmaleren Seiten sind derart gestaltet, dass mit den Fingern die Kiste hoch gehoben werden kann. Wird der Deckel aufgesetzt, kann er zur anderen Seite hin geschoben werden. Durch diesen einfachen Mechanismus ist die Kiste dann verriegelt. Schlaue Köpfe sägen sich noch einen Keil zur kompletten Verriegelung zu. Im World Wide Web kursieren einige gute Bauanleitungen, welche sich relativ einfach auf die gewünschten Masse anpassen lassen. Ein gutes Projekt für ein verregnetes Wochenende!

die Werkzeugkiste mit Schiebedeckel, komplett aus Holzresten und mit Schrauben statt Nägel.

Zum Transport wird die Kiste traditionell auf der Schulter getragen. Bestimmt gibt es heute ergonomischere Tragarten – natürlich kann auch ein Caddy mit Rollen oder eine klassische Sackkarre weiter helfen. Auch auf Fahrrädern wurden diese Kisten früher befestigt. Aus heutiger Sicht bereits wieder aktuell.

die ganze Pracht der japanischen Stechbeitel befindet sich ein Stockwerk tiefer.

Persönlich gefällt mir diese Holzkiste, weil sie authentisch ist und beweist, dass die Werkzeuge mit System aufbewahrt werden können. Da Werkzeuge im Allgemeinen sehr schwer sind, muss der professionelle Zimmermann oder Schreiner gleich mehrere Werkzeugkisten bauen. Die Werkzeugkiste beinhaltet idealerweise Einlagen, in welchen insbesondere die Stechbeitel sowie die restlichen empfindlichen Werkzeuge gut verstaut werden können. Gerne werden dafür auch sogenannte Werkzeug-Rolltaschen (englisch: «tool-rolls») benutzt. Diese bieten aber keinen dauerhafter Schutz, wenn es darum geht, die Stechbeitel zu lagern. Ob Stoff oder Leder – so oder so kann Feuchtigkeit eindringen. Besser ist es, die Stechbeitel in einer Holzschatulle aufzubewahren, da diese die Feuchtigkeit besser aufnehmen kann. Ein kontrolliert klimatisierter Raum (unterhalb 60% rel. Luftfeuchtigkeit) hilft sicher zusätzlich, die Stähle vor Rost zu schützen. Werkzeug-Rolltaschen also am besten nur für den Transport von Stechbeitel verwenden.