Hohner Blues Harp® (MS)

Hohner

die «Hölzerne» – wer kennt sie nicht?

Einleitung

Meine erste Blues Harp, welche auch bezeichnenderweise so heisst. Dass es dieses Instrument seit Mitte der 60er gibt, spricht für sich.

die schöne Seite der Bluesharp

Aufbau und Verarbeitung

Die Blues Harp sieht grundsätzlich schlicht und schön aus mit dem Holzkanzellenkörper aus Doussié-Holz. Bevor die MS Serie von Hohner eingeführt wurde, verwendete Hohner unbehandeltes Birnbaumholz, welches eher empfindlich auf Feuchtigkeit reagierte. Dass mir im damals Musikgeschäft ausgerechnet dieses Modell empfohlen wurde, finde ich nur teilweise ideal. Möglicherweise war ich auch beratungsresistent. Der Speichelfluss ist beim Üben anfänglich recht hoch – auch ich war da keine Ausnahme.

Auch spätere Modelle machten Probleme. Da der hölzerne Kanzellenkörper den Speichel über die Zeit trotz Lackierung aufgesaugt hat, ist dies suboptimal. Dass der Kanzellenkörper recht scharfkantig ist oder sein kann, ist ebenfalls ungünstig. Da ich dies für normal hielt, trug es nicht gerade zu einem guten Spielgefühl bei. Ich spiele jedoch noch heute Mundharmonika. Daher kann es nicht allzu tragisch gewesen sein. Je nachdem muss also nach dem Kauf erst mal zur Nadelfeile gegriffen werden. Eine vorsichtige Demontage und Nachbehandlung ist zu diesem Preis ok aber trotzdem ärgerlich. Ebenfalls hatte ich das Gefühl, dass die Holzqualität nicht immer gleich gut war. Ja, richtig: Zwischen einem kleinen Instrumentenbauer-Shop und einer Produktionsfirma für Instrumente liegt ein Unterschied. Aber hey – nicht nur Hohner ist von Qualitätsunterschieden bei Holz betroffen. Nach dem Abrunden der Kanten ist die Lackierung ab. Nicht ganz ideal. Wer’s richtig gut machen will, schleift den Lack ab mithilfe von einer Glasplatte und aufgeklebten Schleifpapier von 100er Körnung hoch bis zur 400er oder besser 600er Körnung. Danach mit einem feinsten Film Leinöl behandeln. Einige Tage durchtrocknen lassen. Danach nochmals einen Leinöl-Film drauf. Nach einem halben Jahr oder so nochmals. (Niemals anderes Öl verwenden: Nähmaschinenöl ist nicht Lebensmittelecht, Olivenöl trocknet nicht und Leinölfirnis hat meist Zusatzstoffe drin, welche nicht im Mund landen sollten.)

der schöne Kanzellenkörper aus Doussié-Holz braucht Tuning und Pflege (Artikelnummer: TM20002)

Die Deckel sind leider ebenfalls nicht komplett gefeit davor, mit der Zeit anzulaufen und irgendwann etwas unansehlich zu werden. Lag es am erhöhten Speichelfluss? Gut möglich aber eher noch an den verwendeten Materialien. Leider schliessen die Deckel nicht immer zu 100%. Fun Fact: Als 20jähriger fand ich es cool, einen Schnauzer zu tragen. Leider klemmte sich in dieser Harp sporadisch mal ein Schnauzhaar ein. Autsch! Der Schnauz ging danach schnell wieder vorbei. Die Mundharmonikas sind geblieben.

die Oberfläche der Deckel aus Edelstahl ist… OK (Artikelnummer: TM35532)

Ich habe mehrere Modelle gekauft über die Jahre. Dann habe ich endlich begriffen, dass die Stimmzungen nicht ewig halten und fing dann an, die Stimmzungen selber neu zu richten oder nachzufeilen wenn nötig. Ersatzteil-Platten waren damals leider im lokalen Musikgeschäft nicht verfügbar. Nach ein paar Jahren bin ich endlich auf die Idee gekommen, über den Tellerrand zu gucken und mir andere Modelle anzulachen.

die Stimmplatten aus Messing schmecken am Mund leicht säuerlich. (Artikelnummer: TMc132116)

Mitte 90er wurde dann auf das Modulare System gewechselt (MS). Wenigstens wurde die Montage der Stimmzungenplatten merklich vereinfacht: Diese werden mit Schrauben am Kanzellenkörper montiert, nicht mehr mit Nägeln. Die Nägel fand ich recht übel.

zum Schluss noch das stabile blaue Etui

Bespielbarkeit und Sound

Ein richtiges Mittelklassen-Instrument. Weder speziell schlecht noch besonders einfach zu spielen. Vom wiedergegebenen warmen Klang her dennoch ein Klassiker. Es gibt sicher einige Mundharmonikas, welche luftdichter und somit einfacher zu spielen sind.

Fazit

Sie klingt sehr warm und die Lautstärke ist sicherlich Okay. Der Sound war aber nicht das, was mich schlussendlich abgeschreckt hat, noch einmal ein solches Modell zu kaufen. Es ist die Qualität der Stimmzungenplatten und vor allem der scharfkantige Kanzellenkörper. Ich hoffe, dass Hohner dies mittlerweile (so gut wie möglich) in den Griff bekommen hat. Aus diesem Gesichtspunkt kann ich mir vorstellen, wieder mal eine Bluesharp zu kaufen. Holz ist ja grundsätzlich ein wunderbares Material für Musikinstrumente. Um also wieder ein solches Modell zu kaufen, muss ich sie vorher fast mit eigenen Augen sehen und mit den Fignerspitzen den Kanzellenkörper fühlen. Andernfalls würde ich es wagen, die Bluesharp gleich im Vornherein einem Finetuning zu unterziehen.

Ersatzteile findest du im Shop von Hohner unter MS Series Bluesharp.