VOX Tonelab
Testbericht
Einleitung
Dies ist die günstigere Version des Tonelab SE in Desktop-Ausführung. Das Tonelab wurde bereits 2002 eingeführt. Zu diesem Teil bin ich knapp 10 Jahre später an einem Flohmarkt gekommen. Gesucht habe ich nicht wirklich danach. Da es mir dermassen günstig angeboten wurde, habe ich es aus Neugier zu «wissenschaftlichen Zwecken» ergattert. Hier kommt nun auch keine detaillierte Beschreibung sondern viel mehr meine «fifty Cents» dazu.
Einsatzbereich
Da ich es zu Hause in Betrieb genommen habe, hatte ich nie die Gelegenheit wahrgenommen, es an einem guten Röhren-Amp zu testen, sondern nur am meinem Transistor-Amp. Tatsächlich ist mir nicht so ganz klar, was das Zielpublikum dieses Geräts sein sollte: Profimusiker oder Sessionmusiker? Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass dieses Teil ernsthaft live zum Einsatz kommen kann. Natürlich kann es als aufwendige DI-Box und Amp-Simulator verwendet werden. Wozu sind dann aber all die integrierten zusätzlichen Effekte? Natürlich kann man per Midi ansteuern. oder mit einem Footcontroller. Im Tonstudio steht vermutlich besser Equipment rum: entweder old School Röhrenamps oder Computer basiertes Equipment. Wer also braucht dieses Ding?
Die KI schlägt mir Homerecording vor. Dies mag wohl tatsächlich die angedachte Anwendung sein… Für mich als Live-Performer also eher nicht brauchbar. Dennoch…
Sound
Der Sound überzeugt. Die Amps werden verblüffend gut imitiert auf meiner Transistorgurke daheim. Die Forschung hatte also damals grosse Fortschritte gemacht. Die Frequenzgänge und Charakterisierung der unterschiedlichen Amps und Cabs hat VOX also seit dieser Zeit recht gut im Griff.
Auch die Effekte können sich eigentlich allesamt hören lassen. Trotzdem schwingt bei mir immer noch das aber mit. Ich komme nicht von der festen Überzeugung los, dass ein Röhrenamp nicht zu 100% simuliert werden kann. Möglicherweise für den Zuhörer aber nicht für den Profi-Musiker.
Zudem: Vintage Amps simulieren ist für mich wie eine vegane Bratwurst: Es soll was sein was es gar nicht muss. Ein moderner Amp müsste meiner Meinung nach nicht zwingend wie ein VOX AC30 oder ein Fender Twin klingen sondern einfach schlicht gut. Bei der veganen Wurst ist es genauso. Für mich muss es nicht nach Fleisch schmecken – Hauptsache es schmeckt lecker!
Verarbeitung
Zu diesem Preis sicher das Optimum. Massiv gebaut. Das Sichtfenster der Röhre hätte ich flach gehalten. Da das Gerät knapp 10 Jahre auf dem Buckel hat und noch immer funktioniert scheint es entweder wenig gebraucht worden zu sein oder die Qualität der Taster und Regler ist einfach gut.
Das Netzteil ist nicht Standart 9V und hat einen Stecker, welcher ich sonst nicht habe. Scheint als muss dieses Netzteil bei VOX nachgekauft werden falls es mal kapput gehen sollte.
Bedienung
Das mehrere hundert Seiten dicke Manual beweist es. Richtig einfach ist nicht. Schade, gerade dies sollte es sein. Das Leben ist doch so schon genug kompliziert. Zwar konnte ich dem Teil Herr werden. Live möchte ich es dennoch nicht bedienen müssen. Wehe wenn ein Preset schnell wieder verändert werden soll oder das Ding gerade kein Muckser machen will. Vermutlich sind neuere Geräte einfacher zu Bedienen. Nur hat wohl jeder Hersteller sein eigenes Bedienkonzept. Für mich soll es aber so einfach bleiben wie ein paar Potis zu drehen. Auf Farb-Displays und Firmwareupdates pfeife ich und feiere meine freie Meinung dazu. Ich mache lieber Musik als verrückte Presets für eine Setlist zu programmieren oder per Software einzuspielen und dicke Manuals zu lesen.
Fazit
Möglicherweise bin ich bereits zu alt, zu pedantisch oder schon zu stark befangen. Ich bin kein Freund dieser Dinger und hoffe insgeheim, dass noch lange viele Gitarristen ebenso ticken wir ich. Es interessiert und fasziniert mich, was seit dem Millenium digital gemacht werden kann. Dennoch: Reparieren kann diese Dinger höchstens noch der Hersteller selber. Aber hat er wirklich Interesse daran? Kann die Welt so nachhaltig werden?
Ein Hoch auf Analog-Schaltungen und Effektklassiker