ProCo RAT 2

Die RAT 2

Testbericht

Dieser Effekt stellt für mich «die Rampensau» schlechthin dar, wenn es um einen Live-Auftritt geht. Die ersten RAT-Effekte von Pro Co Sound wurden bereits 1978 in Michigan produziert. Grundsätzlich besteht der Effekt – wie die meisten Verzerrer – aus einem Distortion-Regler (Gain), einem Volume-Regler sowie einem Tone-Regler (Filter). Nennenswert ist höchstens, dass bei voll aufgedrehtem Filter-Regler die Höhen weg gefiltert, respektive gedämpft werden. Also genau umgekehrt wie man es sich gewohnt sein mag. Dies soll aber nicht über den coolen Sound hinweg täuschen! Ansonsten ist das Gerät sehr schlicht gehalten. Witzig finde ich, dass sich die rote LED erst im eingeschalteten Zustand unterhalb dem Buchstaben «A» des Logo’s bemerkbar macht. Zum Betrieb benötigt die RAT eine 9V-Batterie oder kann über eine 3mm Klinkenbuchse mit 9V gespiesen werden. (Schade ist, das Pro Co nicht die DC-Buchsen verwendet wie z.B. Boss, Ibanez, MXR und viele weitere Hersteller.). Bei meinem Pedal habe ich mir die Mühe gemacht und eine solche Buchse verbaut.

Klang und Tonqualität

Die RAT ist ein Chameleon, was den Klang angeht. Von angenehm angezerrt bis zu sehr stark verzerrt liegt einfach alles drin. Bei aufgedrehtem Distortion-Regler ist sie einem Fuzz-Effekt nicht unähnlich. Dies jedoch ohne den typischen Rat-Sound jemals zu verlieren. Dieser Sound stammt meiner Meinung nach vor allem vom extrem variablen Filter-Regler sowie einem internen Klangfilter, welcher bestimmt Frequenzen fix rausfiltert und andere verstärkt. Obwohl die ursprünglichen RAT’s (mit dem LM308-Chip) nach wie vor sehr begehrt sind, unterscheiden sie sich nicht oder kaum hörbar von den heutigen (in China hergestellten) RAT’s mit eingebautem OP07DP-Chip.

Getestet habe ich die RAT mit einer 73er Höfner LP-Copy mit Diamond Humbuckers, sowie einer umgebauten Cort MGM mit einem Häussel P90 und einem Düsenberg-Pickup. Zur Verstärkung dienten mir mein alter kleiner JMI AC4 sowie ein fast so alter VOX AC30 aus den 70ern.

Design und Verarbeitung

Die hochwertige Elektronik ist in ein ziemlich schweres und massives Stahlgehäuse verpackt und sieht professionell aus, wie auch die weiteren Modelle von ProCo. Das Gehäuse ist netterweise nicht zu gross geraten, aber doch eigenartigerweise etwas höher, als die meisten Verzerrer der Konkurrenz — nachteilig erscheint mir das jedoch nicht. Die Knöpfe sind sehr robust – lassen sich aber mit etwas Geschick durch andere Ausführungen austauschen, falls sie keinen Gefallen finden. Die Frontfolie zur Beschriftung mag billig erscheinen, ist aber praktisch kratzfest und bröckelt nach Jahrzehnten noch nicht weg.

Fazit

Die weiche bis drahtige Verzerrung sowie der riesige Filter-Bereich machen die RAT zu einem einzigartigen Gerät, welches man nicht wieder hergeben möchte, wenn man es erst einmal ins Herz geschlossen hat. Klanglich ist die RAT aus meiner Sicht am besten geeignet für Blues, Rock, Punk oder Hardrock – für Pop gibt es wohl geeignetere Verzerrer, wenngleich auch da die RAT mithalten kann.