Der Distortion+ ist wohl einer der allerersten Verzerrer aus den 70ern und noch bevor das Boss OD1 und der Tubescreamer gebaut wurden. Und einfach aufgebaut noch dazu:
Ein Tone-Regler vermisse ich an dieser Stelle schon etwas.
Der Distortion+ beherbergt einen simplen LM741 Opamp, 2 Germanium-Dioden sowie etwas «Beigemüse». Dies führt zu einer crèmigen und crunchigen Verzerrung. Je mehr dass der Distortion-Regler aufgedreht wird, desto mehr Bass-Anteile werden rausgefiltert und übrig bleibt ein etwas dünner Zerr-Sound, welcher mir gar nicht soo toll gefällt. Leider war ich nach einiger Zeit noch mehr enttäuscht wegen der doch recht starken Kompression der Dynamik, welche durch die Schaltung einfach gegeben ist. Mit Humbucker-Pickups ist der Distortion+ leider schnell im Anschlag – mit Singlecoils siehts vermutlich schon besser aus.
Wie alle Effekte von MXR steckt auch der Distortion+ in einem knallig gelben, massiven Gehäuse mit einer einigermassen dauerhaften Lackierung. Ältere Geräte waren übrigens eher senfgelb lackiert.
Der Distortion+ mag ein Klassiker sein – es geht aber besser! Der Distortion III ist wesentlich intelligenter aufgebaut, ich konnte ihn jedoch leider noch nicht antesten. Spasseshalber habe ich meinen Distortion+ mit etwas Aufwand in eine Pro Co RAT umgebaut, da sie sich schaltungstechnisch sehr ähnlich sind. Ob ich es nochmals tun würde? Wahrscheinlich nicht, da es trotzdem irgendwie schade ist. Mit dem LM741 rauschts gehörig stark. da müsste wohl noch der Opamp getauscht werden. Dafür hab ich nun zuhause an meinem Übungsverstärker ebenfalls eine RAT am «nagen».
Alles in allem ist der Distortion+ also ein würdiger Vorgänger, welcher von einigen Schaltungsdesigns überholt wurde. Trotzdem ein richtiges Stück Rockgeschichte.