LocoBox Tubemaniax Overdrive Unit
Reparatur und Testbericht
Diese knallige Kiste aus den 70ern (sie blendete mich ebenso stark wie das Mysto-Dysto) möchte für ein Tonstudio aus Deutschland wieder zum Leben erweckt werden. Das Overdrive macht keinen Muckser mehr und die LED bleibt dunkel.
Demontage
4 Schrauben, um die Bodenplatte zu lösen und eine für den Batteriedeckel. Mehr braucht es bei solchen LocoBoxen nicht. Dafür sind die frei in die Hartpapier-Leiterplatte eingelöteten Drähte recht brüchig und neigen leider dazu, schnell abzureissen.
Reparatur
Wen wundert es, dass das Treterchen keinen Ton mehr von sich gibt – die Speisung hat einen satten Kurzschluss. Die sogenannte Verpolungsdiode parallel zur Speisung war durchgebrannt. Liebe Entwickler: Bitte verwendet keine Kleinsignal-Diode als Verpolungsschutz!
Grund für den Fehler: Leider fehlt auf dem Gehäuse die Beschriftung der Polung. Entweder ging da die Farbe ab oder die Polarität wurde nur in der Dokumentation beschrieben. Weitere Möglichkeit: Die Buchse wurde später eingebaut. Eine kräftige 1N4007 Diode zwischen Plus-Pin der DC-Buchse und VCC hilft, das Effektgerät restlos verpolungssicher zu machen. Ein kleinster Nachteil bleibt: Die Versorgungsspannung der Schaltung von +9VDC wird dadurch um 0.6V reduziert. Da die Batterie-Spannung ebenfalls locker auf diese Spannung sinken kann, ist dies vertretbar. Wer es noch besser machen möchte, darf eine Schotky-Diode mit tieferer Durchlassspannung aus dem Bauteilsortiment suchen.
Ebenfalls musste die LED dringend wieder mit Heissleim fixiert, die gebrochene DC-Buchse gerettet, sowie einige Drähte neu angelötet werden.
Schaltung und Konstruktion
Ein robustes Gehäuse sorgt für genügend Platz, um die Schaltung unterzubringen. Die ursprüngliche Befestigung, respektive Fixierung der Leiterplatte passiert mutmasslich bloss über eine Schicht Schaumstoff (mit adhäsiver Oberfläche?). Vermutlich hat niemand damit gerechnet, dass dieser Effekt über Jahrzehnte überdauert. Jedenfalls ist der Schaumstoff längst zerbröselt. Trotzdem macht eine schraubbare Befestigung für eine Leiterplatte am meisten Sinn.
Umso intelligenter scheint mir, für die damalige Zeit zumindest, die Konstruktion von Bodenplatte und Batteriedeckel. Der Deckel kann über eine seitliche, gerändelte Schlitz-Schraube entweder mit den Fingern oder einer Münze geöffnet werden. Mehr Beachtung schenke ich dem Batteriebetrieb nicht. Zu viele Batterien wurden hergestellt für unsinnige Verwendungszwecke. Ein DC-Netzteil schont indirekt die Natur und hat den Vorteil, über Jahre dieselbe DC-Spannung zu liefern.
Ein Schaltplan liegt mir nicht vor zu diesem Gerät, jedoch handelt es sich mutmasslich um eine Art Tubescreamer Schaltung ohne Tone-Regler. Für weitere Untersuchungen fehlte mir leider die Zeit. Hoffentlich nimmt sich mal jemand die Mühe, dies nachzuholen und die Schaltung dieses seltenen Pedals nachzukonstruieren.
Sound
Yet another Tubescreamer – aber ganz und gar kein gewöhnlicher! Mithilfe zweier winzigen grauen Dioden (vermutlich Stacked-Germanium-Dioden) klingt dieser Effekt trotzdem nicht so, wie man es sich von einem Tubescreamer gewöhnt wäre. Eher crèmig angezerrt und absolut unaufdringlich sowie wohlklingend. Der Toneregler fehlt zwar im Schaltungsdesign, irgendwie vermisse ich ihn aber überhaupt nicht.
Fazit
Alles in allem eine hippe Rarität, die es definitiv verdient hat, wieder zum Einsatz zu kommen. Ich möchte den Tubemaniax am liebsten selber behalten! ☺ Im Tonstudio kommt er hoffentlich oft zum Einsatz und ist dort bestimmt gut aufgehoben.