Landtone Klon Centaur Clone

Der «Klon Centaur Klon» Bausatz ohne Branding

Einleitung

[Beachte: Der originale Klon Centaur wurde von Bill Finnegan entwickelt und produziert.]

Dieses Effektgerät hüpfte mit einem Defekt auf die Klangwerkbank. Es stammt aus einem Bausatz von Landtone, welcher unter anderem über Amazon vertrieben wird. Landtone ist ein White-Label-Unternehmen, hinter der ein chinesischer Hersteller über Amazon und AliExpress Bausätze vertreibt.

Obschon die Leiterplatte gut gemacht ist und einen vorbildlichen Bestückungsdruck aufweist, wurde der mir vorliegende Effekt aus meiner Sicht etwas hastig bestückt. Die Lötstellen sehen dafür glänzend aus. Da wurde bleihaltiges Zinn verwendet.

Der «geklonte Klon Centaur» fertig montiert

Fehler und Reparatur

Der Fehler ist nicht offensichtlich: Das Pedal verzerrt praktisch kaum. Es ist bekanntlich eher ein sanfter Overdrive-Effekt, aber ist das alles? Zudem ist der Volume-Bereich auffallend erheblich. Dieser Effekt ist jedoch bekannt für seinen Volume-Boost. Kann das normal sein?

Trotz den nicht sauber auf die Leiterplatte aufliegenden Bauteile, kann ich keinen sichtbaren Fehler erkennen.

Erster Verdacht: Doppel-Gain-Potentiometer mit falschem Wert oder logarithmisch statt linear. Das wäre ein klassischer Fall von schlechtem Reverse-Engineering. Nein, alles OK.

Zweiter Verdacht: Bestückungsfehler oder Kurzschluss. Einige feinste Zinnspritzer konnte ich finden. Es führte jedoch keiner zu diesem Fehler.

Nun mussten die Messgeräte her. Nach längerem Suchen fand ich die Fehler: Beide Germanium-Dioden waren hochohmig geworden durch zuviel Hitze beim Einlöten. Oder waren die Dioden ab Lieferung bereits defekt? Einerseits verhindert dies eine anständige Verzerrung, andererseits wurde die Ausgangslautstärke durch das viel zu grosse Signale viel zu laut. Klingt logisch, wenn der Fehler erst mal bekannt ist.

Da ich keine amerikanische 1N34 im Klangwerkbank-Lager hatte, habe ich zwei AA134 (ebenfalls Germanium-Dioden) von Telefunken aus meinem Restbestand verwendet. Es stellt sich als einwandfreie Wahl heraus. Gut, dass ich noch welche habe. Schade, dass es die ursprüngliche Firma Telefunken nicht mehr gibt und die Produktion dieser Dioden in Deutschland längst eingestellt wurde. Es wäre daher an der Zeit, eine Bauteil-Produktion für dieses Nischensegment hochzufahren.

Schaltungsdesign

Was soll ich sagen: Die Schaltung ist dem Original 1:1 abgeschaut. Irgendwann wurde trotz der vergossenen Schaltung genug Reverse-Engineering betrieben, bis das Schema aufgezeichnet werden konnte.

Offenbar ist es rechtlich legal, dass analoge Schaltungen kopiert werden dürfen. Nicht nur für DIY Zwecke, sondern auch von anderen Firmen. Digitale Schaltungen dürfen nicht kopiert werden. Den Grund dafür verstehe ich nur begrenzt. Ein gutes Engineering einer Analog-Schaltung erfordert doch ebenso viel Zeit, wie wenn ein kleines Mikrocontrollerchen mit ein paar Bytes Firmware entwickelt wird.

Konstruktion und Aufbau

Die Leiterplatte des Klons intelligent aufgebaut, mustergültig bedruckt, die Anleitung durchaus verständlich, wenn auch nicht in Farbe. Die Bauteile machen einen hochwertigen Eindruck. Wie lange die Elkos, der Fusstrittschalter, Buchsen und die Potis halten, werde ich in den nächsten Jahren erfahren.

Das Gehäuse sieht nach einem Klon des Hammond 1590BB aus. Möglicherweise etwas rauer, jedoch gefallen mir die langen, massiven Schrauben besser. Die Lackierung in Champagner-Gold gefällt mir einigermassen gut. Silbern hätte ich bevorzugt. Die Lackierung ist dick und deshalb hoffentlich dauerhaft. Leider nicht ganz fehlerfrei. Liegt dies an kleinen Gehäuse-Fehler?

Alles in allem und nicht zuletzt wegen genügendem Platz ist der Aufbau richtig mustergültig gemacht. Unglaublich, dass ich dies bei einem chinesischen Bausatz schreiben muss. Ich wäre jedenfalls froh, wenn alle Effekte derart einfach zerlegbar wären. Lerneffekt: Etwas mehr Platz und plötzlich wird ein Gitarreneffekt ordentlich reparierbar.

Trotz dem Trend und in Sachen Nachhaltigkeit: Vergesst Effektgeräte im Hammond 1590A Gehäuse ganz schnell. Da wird alles derart fummelig und kompakt, dass eine Reparatur keinen Spass mehr macht. Wegwerfen? Kann man natürlich. Ich kaufe jedoch gerne Dinge, welche Jahrzehnte überstehen. Die Natur dank es ebenfalls. Wer einfach nur unsinnig viele Effektgeräte testen und einsetzen will soll es versuchen. Ich glaube nicht an diese Miniaturisierung im Stage-Bereich.

Landtone Klon Centaur im Vergleich zum Original: Gehäuse ist nur halb so innovativ und ebenfalls kleiner. Die Konstruktion des Original-Gehäuse ist schlichtwegs noch ausgeklügelter: Verstärkte Seiten, abgeschrägte Front, verschraubbare Leiterplatten-Montage, abgerundetere Ecken… An dieser Stelle könnte ich noch viele Details auflisten. Auffallend sind zudem die grösseren Poti-Knöpfe und das anders gehaltene Leiterplatten-Design.

Sound

Dieser Effekt ist bekannt für seine unverfälschte Verzerrung. Dies kann ich bestätigen. Das cleane Gitarrensignal tönt beinahe so wie das verzerrte Pendant. Für meinen Geschmack ist diese Art Verzerrung für sich alleine nicht die Tollste. In einem kompletten Band-Setup sieht die Sache wieder anders aus. Hier spürt man, dass die Dynamik genug Reserve behält, um zwischendurch ebenfalls einen lauteren Akkord rauszuhauen. Wer den Klon Centaur zusätzlich als Booster für einen Röhrenverstärker einsetzt, hat etwas von beiden Welten. Wer lieber eine echte Verzerrung mag ohne Beimischen von einem Clean-Signal dreht einfach den Gain Regler beinahe oder komplett hoch. Eine crèmige Distortion stellt sich ein. Mithilfe des Tone-Reglers lässt sich diese gut zähmen.

Fazit

Alles in allen ein Chamäleon. Eine kluge Schaltung – in diesem Fall für kein Geld. Ein toller Klassiker, auch wenn’s mal ein Bausatz aus China ist. Schade, dass das Original nicht mehr hergestellt wird.

Nachtrag

Hier ein kurzer Abschnitt zur Ethik aller geklonten Klon’s: Dass bereits in den 70ern fleissig analoge Schaltungen der Effektgeräte kopiert wurden ist bekannt. Dass rechtlich nicht viel gemacht werden kann ebenfalls. Dass Gitarristen aus Spass selber oder mithilfe von Bausätzen diese effekte kopieren ist kein Geheimnis. Der Landtone Klon sieht dem Original ebenfalls recht ähnlich. Wozu dann dieser Nachtrag?

Klon LLC hat im 2025 eine Klage gegen die namhafte Firma Behringer (genauer: gegen die Muttergesellschaft Music Tribe) eingereicht und behauptet, das kürzlich erschienene Centaur Overdrive sei eine “offensichtliche Fälschung” von Klons legendärem Centaur-Pedal. Bill Finnegan zog seine Klage beim US-Bezirksgericht in Massachusetts schliesslich zurück (Dismissal with prejudice), nachdem Behringer eingelenkt hatte. Ob Bill von Behringer eine finanzielle Genugtuung erhielt, ist nicht belegt. Leider vermutlich nicht, obwohl dies mal ein kleines Zeichen gesetzt hätte.

Folge davon: Obschon das praktisch baugleiche Effektgerät von Behringer sich nun mittlerweile Zentara nennt, bleibt die Design-Idee am Gehäuse trotz Veränderung des Logos aus meiner subjektiven Sicht bestehen. Wer die Info nicht hat, muss denken, dass Klon LLC mit Behringen auf einen Deal eingegangen ist, ein Retro-Produkt zu verkaufen. Wo bleibt da das Ehrgefühl von Behringer? Auch andere namhafte Hersteller haben die Schaltung kopiert, waren aber immerhin innovativ genug, das Design, das Gehäuse und den Namen so zu ändern, dass keine Verwechslungsgefahr besteht.

Was tut Behringer weiterhin? Sie schnappen sich längst verjährte Klassiker und legen diese neu auf. Seit unlängst in Gehäusen, welche dem Original verblüffend gleichen. Fantastisch, dass zu einem Spottpreis ein sonst schwer erhältlichen Vintage-Effektgerät gekauft werden kann. Auf die andere Seite mit identischem Design ein verwerflicher Abklatsch und fies. Entscheide selbst, auf welche Seite Du dich stellst.

Beispiele weiterer fast identischer Klone von Behringer.: