Ein absoluter Klassiker und wohl eine Referenz unter den Verzerrern ist der von Maxon für Ibanez entwickelte Tubescreamer. Der grasgrüne Frosch ist dabei der Nachfolger vom TS808 Tubescreamer, welcher aber bis auf den Fusstaster fast baugleich ist.
Das Ziel vom Entwicker S. Tamura war es, einen Verzerrer zu
konstruieren mit hoher Dynamik. Deshalb mischte er das
Eingangssignal zum Ausgangssignal dazu. Dazu einen kräftigen Schuss
Mitten, weil’s gerade Mode war bei den Blues-Musikern und schon ist
der Effekt Kult. Ob vor einem Transistor- oder Röhrenverstärker –
der TS9 kann sich tatsächlich hören lassen. Er gliedert sich wie
erwähnt irgendwo zwischen dem bluesigen und dem rockigen Sektor ein,
wohl aber auch im Pop-Bereich kann man den Sound finden. Irgendwie
war mir aber der Sound einfach zu glatt und vielleicht auch zu
künstlich – tatsächlich kam mir der Sound nach einem bis zwei Jahren
etwas griesig vor. Aber so ist das Gehör leider: Es gewöhnt sich an
etwas (also in meinem Fall an einen Verzerrer) und nach einer Weile
wird der Effekt fast schon langeweilig. Vermutlich teste ich deshalb
so viele Effektgeräte? :-) Wie gesagt: Ich tauschte ihn
gegen einen Bad Cat 2Tone ein, welcher mir zu der Zeit besser
gefiel.
Gekauft hatte ich übrigens den TS9 zu der Zeit, wo noch ein doofer Transistor-Amp bei mir zu Hause rum stand. Dafür klang der vorgeschaltete TS9 wie ein Upgrade. Den besseren Ansatz finde ich, mithilfe leichter Verzerrung und stark aufgedrehtem Volume einen Röhrenverstärker anzublasen. Ausprobieren muss das am Besten jeder für sich und mit seinem Setup.
Die Idee, den Fusstrittschalter breiter zu gestalten als die damals handelsüblichen runden, kleinen Dinger finde ich sehr löblich. Ohne Schuhe lassen sich dann diese Modelle schmerzfrei bedienen. Die heutigen Gerätchen aus China haben offenbar ab und an Probleme mit der integrierten Feder. Meine japanische Ausführung hatte zumindest einige Jahre durchgehalten ohne Fehler. Leider kann ich mich mit diesem Konstruktionsprinzip (wie auch bei BOSS Effektgeräten) nicht recht anfreunden und neben anderen Effektgerätchen fällt er deshalb etwa so auf wie ein Schotte auf dem Matterhorn. Die leuchtende LED ist bei Tageslicht leider nicht gut zu sehen. Schade, wenns um einen Openair-Gig bei starker Sonneneinstrahlung geht.
Wem der TS9 also vom Design her nicht gefällt, soll sich einfach einen ebenfalls froschgrünen, neuen Maxon OD808 kaufen und kann damit rechnen, denselben Effekt mit einem «normalen», runden Fusstrittschalter zu erhalten. Tja, wer dies gelesen hat, ist nun klar im Vorteil.
Schlussendlich kommt wohl kein einigermassen seriöser Gitarrist an einem Tubescreamer vorbei – und sei es auch nur ein Klon wie der VOX Valve Tone, welcher nun in elegant verchromten Gehäuse auf meinem Board sitzt, nachdem ich meinen TS9 in einem Anflug von geistiger Umnachtung am Flohmarkt verkauft habe. Der Wiederverkaufswert war jedoch genial, da er in Japan hergestellt wurde und deshalb bereits gesucht wird von Liebhabern. Möglich, dass ich mir aus nostalgischen Gründen mal einen Maxon OD-808 Tubescreamer zulegen werde.