Ibanez TS9 Tubescreamer

der berühmte, grasgrüne Frosch namens TS9

Testbericht

Funktionalität

Ein absoluter Klassiker und eine Referenz unter den Verzerrern ist der von der Firma Maxon für Ibanez entwickelte Tubescreamer. Der grasgrüne Frosch ist der Nachfolger vom TS808 Tubescreamer, der aber bis auf den Fusstaster fast baugleich ist.

Schaltung, Klang und Tonqualität

Das Ziel vom Entwickler S. Tamura war es, einen Verzerrer zu konstruieren mit hoher Dynamik. Deshalb mischte er das Eingangssignal zum Ausgangssignal dazu. Gemacht wird dies unter anderem mit zwei anti-parallelen 1N914 Dioden über Ein- und Ausgang eines Opamps. Dazu einen kräftigen Schuss Mitten, weil’s gerade Mode war bei den Blues-Musikern und schon ist der Effekt Kult. Stark vereinfacht, aber auf diese Weise funktioniert dieser Effekt. Ob vor einem Transistor- oder Röhrenverstärker – der TS9 kann sich tatsächlich hören lassen. Er gliedert sich wie erwähnt irgendwo zwischen dem bluesigen und dem rockigen Sektor ein. Im Pop-Bereich kann man den Sound ebenfalls finden. Irgendwie war mir aber der Sound einfach zu glatt und zu steril – tatsächlich kam mir der Sound nach einem bis zwei Jahren etwas griesig vor. Aber so ist das Gehör leider: Es gewöhnt sich an etwas und nach einer Weile wird der Effekt fast schon langweilig Vermutlich teste ich deshalb derart viele Effektgeräte? :-) Wie gesagt: Ich tauschte ihn gegen einen Bad Cat 2Tone ein, der mir zu der Zeit besser gefiel und ein regelrechtes Upgrade ist.

Gekauft hatte ich übrigens den TS9 zu der Zeit, wo noch ein oller Laney Transistor-Amp bei mir zu Hause rum stand. Dafür klang der vorgeschaltete TS9 wie ein Upgrade. Den besseren Ansatz ist aus meiner Sicht, mithilfe leichter Verzerrung und gut aufgedrehtem Volume einen Röhrenverstärker anzublasen. Ausprobieren muss das am Besten jeder für sich und mit seinem Setup.

Design und Verarbeitung

Die Idee, den Fusstrittschalter breiter zu gestalten, als die damals handelsüblichen runden, kleinen Dinger finde ich echt löblich. Ohne Schuhe lassen sich dann diese Modelle schmerzfrei bedienen. Die heutigen Gerätchen aus China haben leider ab und an Probleme mit der integrierten Feder oder dem Schalter. Meine japanische Ausführung hatte zumindest einige Jahre ohne Fehler durchgehalten. Leider kann ich mich mit diesem Konstruktionsprinzip (wie bei BOSS Effektgeräten) nicht recht anfreunden und neben meinen anderen Effektgerätchen fällt er deshalb auf wie ein Schotte auf dem Matterhorn. Die orange leuchtende LED ist bei Tageslicht leider kaum zu sehen. Schade, wenn es um einen Openair-Gig bei starker Sonneneinstrahlung geht.

Wem der TS9 vom Design her nicht gefällt, soll sich einfach einen ebenfalls froschgrünen, neuen Maxon OD808 kaufen. Er kann damit rechnen, denselben Effekt mit einem «normalen», runden Fusstrittschalter zu erhalten. Tja, wer dies gelesen hat, ist jetzt klar im Vorteil.

Fazit

Schlussendlich kommt kein einigermassen seriöser Gitarrist an einem Tubescreamer vorbei – und sei es beispielsweise ein Klon wie der VOX Valve Tone, der in elegant verchromten Gehäuse auf meinem Pedalboard sitzt. Dies nachdem ich meinen TS9 in einem Anflug von geistiger Umnachtung am Flohmarkt verkauft habe. Der Wiederverkaufswert war jedoch verblüffend hoch, da er noch in Japan hergestellt wurde und deshalb unterdessen eine gesuchte Rarität ist. Möglich, dass ich mir aus nostalgischen Gründen mal einen Maxon OD-808 Tubescreamer zulegen werde.