Heet Sound EBow

mein EBow sieht nach bald 30 Jahren immer noch fast neu aus.

Testbericht

Einleitung

Gehört dieses Gerät eigentlich eher zu den Instrumenten oder zu den Effektgeräten? Irgendwie zu beiden. Wie auch immer.

Mein EBow hatte ich 1997 für ein kleineres Vermögen bestellt. An den genauen Beweggrund kann ich mich nicht mehr erinnern. War es Berit Fridahl welche wärend einem Konzert mit diesem Ding spielte? War es die Band Runrig, welche das Teil im Einsatz hatten? Ich kann mich nicht mehr erinnern.

An was ich mich sehr gut erinnere: Nebst einem Faltblatt zur Anwendung vom EBow kam eine Musik-Kassette (auch MC genannt). Ich habe gelacht und diese sogleich weggeschmissen. Ich hatte schon längst auf MiniDisc und CD’s gesetzt zu dieser Zeit. Ein Kassettengerät konnte ich in meinem Umfeld keines mehr finden. Trotzdem spannend, was da eigentlicht drauf gewesen wäre.

Design und Verarbeitung

Über das Schaltungsdesign kann ich nur spärlich berichten. Es beruht auf dem Prinzip eines Elektromagneten, welcher aktiv die Saiten zum Schwingen anregt. Jedenfalls wird voraussichtlich das Gitarrenpickup-Signal oder bloss die schwingende Saite mithilfe einer Spule (vermutlich mit offenem Ferritkern) abgenommen. Dieses Signal wird dann über einen kleinen Poweramp verstärkt an einen zweiten Elektromagneten geleitet, welcher die Saiten mir derselben Frequenz anregt. Dies scheint mir so etwas wie eine Rückkopplung zu sein. Spannend, dass mithilfe vom EBow die Saite von alleine anfängt zu schwingen.

Über den kleinen «Mode»-Umschalter kann dann entweder die Saite normal angeregt werden oder mit Obertönen. In Mittenstellung ist Power-OFF. Unabhängig vom gewählten Mode leuchtet eine blaue LED. Wäre praktisch, wenn man die LED während dem Spiel besser sehen könnte und je nach Schalterstellung eine andere Farbe anzeigen würde. Wäre heutzutags keine grosse Sache.

Das Gehäuse hat zwar seit dem ersten Moment sehr billig gewirkt auf mich, jedoch wird der EBow 30 Jahre alt und ist noch nicht auseinandergefallen. Sooo oft benutze ich den elektrischen Bogen aber auch nicht.

Das Batteriefach für die 9V-Batterie mit dem Clip wirkt ebenfalls wie ein billig gemachtes ferngesteuertes Auto aus China. Dies ist denn zum Glück auch der einzige Effekt, welcher mit Batterie und nicht mit Netzgerät betrieben wird.

Sound und Tonqualität

Er klingt für mich wie eine Mischung von einem Cello, einer Geige und einem Synthesyzer. Eher kühl, der Sound, aber doch faszinierend anders. Wird der Schiebeschalter dann ganz rüber geschaltet, holt der EBow noch die allerletzten Obertöne aus der Gitarre. Dann tönt er eher wie eine Klarinette oder eine Oboe für mich.

Am besten funktioniert der EBow für mich auf dem Halspickup mit stark zurückgedrehtem Volume-Poti. Sonst kreischen die Bandkollegen und halten sich instinktiv die Ohren zu. Möglicherweise würde dies mit einem nachgeschalteten Micro-Amp oder einem Compressor mit zurückgedrehtem Volume besser gehen? Muss ich glatt mal austesten.

Mit einem Halleffekt oder einem Delay tönt der EBow noch sphärischer. Und mit einem zusätzlichen Overdrive noch besser.

Fazit

Der Sound ist verblüffend und der Effekt auf die Zuschauer ist es ebenfalls, wenn sie sehen und hören, was da gerade abgeht. Schwierig finde ich jedoch das Handling der Laustärke am Gitarrenpotentiometer. Die Grenze zwischen «da kommt fast nichts bis hin zu: jetzt ist es viel zu laut» ist sehr schmal. Aus diesem Grund habe ich mich bislang erst selten gewagt, den EBow live zu spielen. Im Bandraum als Zeitvertreib oder für Aufnahmen finde ich ihn aber extrem gelungen.

Der neu aufgelegte EBow plus sieht übrigens praktisch identisch aus, kostet aber nur noch einen drittel vom Preis, welchen ich damals bezahlt habe. Ob wirklich irgendwas neuer, besser oder anders ist an dem Teil erschliesst sich mir beim besten Willen nicht.