Meine Ansprüche an ein Effektgerät

Gedanken im Voraus

Ein ständiger Kampf: Konstruktion, Verarbeitung, Qualität und Profit stehen in permanentem Widerspruch. Ein kompakter Effekt, welcher hochwertige Bauteile hat und dennoch nur wenig kostet gibt es nicht (mehr?). Möglichst viele Bauteile sollen auf der Leiterplatte montiert werden inklusive Potentiometer, Klinkenbuchsen, LED, DC-Buchse etc. Die Vielfalt der Bauteil-Bauformen ist explodiert und nicht aufzuhalten. Bereits die Effektgeräte der 70er kämpfen mit Platznot. Die Leiterplatte ist schlecht fixiert und von Servicefreundlichkeit spricht man nicht. Unzählige Muttern (aller Potentiometer, Schalter und Jacks) müssen gelöst werden bevor an der Leiterplatte auch nur ein Transistor ersetzt werden kann.

Die ideale Konstruktionsbauweise gibt es vermutlich nicht:

Eins ist klar: Falls alle Bauteile direkt auf einer Leiterplatte sitzen sollen, erfordert dies viel Zeit für die Bauteilevaluation und -Verfügbarkeit, das PCB-Layouten, bestücken und präzise Bohrungen. Ein industrialisiertes Design eben. Andernfalls hilft nur viel Platz (grosses Gehäuse!), eine saubere Verdrahtung und viel Geduld beim Aufbau.

«Meine Ansprüche sind zu hoch.»

hochwertige und nachhaltige Bauteile

Billige, schlecht verarbeitete Bauteile mag ich nicht. Ich kaufe Effektgeräte mit der festen Absicht, diese für Jahrzehnte zu gebrauchen. Bisher ist mir dies gut gelungen.

Bitte keine billigst Potentiometer, welche nach 2 Jahren bereits kratzen – liebe Effektgerätehersteller.

✘ billiges Poti mit Plastikschaft. Ersatzteil muss zwingend dasselbe Pinraster aufweisen.
✔ vernünftiges Poti mit 6mm Aluminium-Achse und Lötanschlüssen. Ersatzteil leicht zu finden und auszutauschen.

Winzige Schiebeschalter, kleinste Trimmpotentiometer mit eingesteckten Drehknöpfchen sind mir zuwieder. Für den Einsatz auf der Bühne sind die ebensowenig geeignet wie im Bandraum. Nachhaltig sind die Teile auch nicht.

✘ billiger Schiebeschalter.
✔ qualitativ hochwertiger Kipp-Schalter. Kann problemlos wieder ausgetauscht werden durch ein fast beliebiges Fabrikat, wenn er verschlissen ist

Konstruktion und Materialien

Plastik haben wir bereits mehr als genug verteilt auf unserer Welt und im Meer. Das Eigengewicht eines Plastikeffekts ist zu leicht und robust ist es auch nicht. Stahlblech oder dickes Alu ist dauerhaft über Jahrzehnte und hat das passende Gewicht.

✘ billiges Plastikgehäuse.

DC-Buchsen direkt neben einer Klinkenbuchse finde ich falsch platziert. Klinkenstecker und DC-Stecker sind häufig abgewinkelt. Dann passt das so nicht. Zu kleine Gehäuse sind deshalb schlicht ungeeignet.

Die LED sollte genug hell sein, dass man sie auch bei Tageslicht sieht. Idealerweise soll sie auch gut zu sehen sein, wenn man nicht gerade vor dem Effektgerät steht. Super helle, blaue LED’s blenden! Wirklich! Bitte liebe Hersteller, gebraucht sie einfach nicht. Keine LED einbauen ist auch keine Option. Tönt alles logisch, schaffen aber die wenigsten Hersteller.

✘ zu helle, blaue LED.

Ein gutes Effektgerät muss «bühnentauglich» sein.

Drehknöpfe

Griffige Drehknöpfe sind wichtig. Gut ablesbar sollen sie ebenfalls sein. MXR hat Drehknopfmarkierungen entwickelt, welche sogar im Dunkeln nachleuchten wie die Leuchtziffern einer Uhr. Notfalls möchte ich die Drehknöpfe auch während einem Song verstellen können. Dann bleiben dazu nur die Füsse übrig. MXR (Dunlop) hat dazu sogar Gummikappen entwickelt, welche über die Drehknöpfe gestülpt werden können. Die haben sich echt was Gutes ausgedacht!

✔ vorbildlich: Gummikappen für Drehknöpfe sehen grässlich aus, sind aber praktisch.

Fusstrittschalter

Es gibt Fusstrittschalter, welche auch nach jahrzehnten und häufigem Betätigen noch funktionieren. Andere Schalter geben nach 2 Jahren bereits den Geist auf. So einfach die Funktion eines Schalters sein mag – der Aufbau ist komplex und die verwendeten Materialien sind wichtig, um Verschleiss und Oxydation so gering wie möglich zu halten.

Ich habe noch nie einen Effektgerätehersteller gefunden, welcher sich brüstet mich Fusstrittschalter, welche ein Leben lang halten. Ein paar Groschen mehr – schon könntet ihr dieses geniale Feature vermarkten.

Batteriebetrieb

Ist aus meiner Sicht unnötig. Wer einigermassen ernsthaft zwei oder mehr Effektgeräte verkabelt, möchte kaum so viele Batterien anstöpseln. Umweltfreundlich ist das eh nicht. Also lieber den gewonnenen Platz besser ausnutzen und den Batterieclip sparen. Eine qualitativ hochwertige DC-Buchse ist wichtig. Zuviele oxydierte oder zerbrochene DC-Buchsen habe ich schon gewechselt.

Design

Wenn ein Effektgerät wie ein Spielzeug aussieht, ein tolles Foto oder ein halber Comic trägt oder gar ein psychedelisches Muster, so schreckt mich dies eher ab. Professionelle Effekte haben für mich nur eine Farbe oder sind verchromt.

✘ sieht toll aus – und lächerlich. Der Fusstrittschalter hat eine komplett ungünstige Position und das Poti ist zu nahe am Fusstrittschalter. Warum designt ZVEX die Effekte eigentlich im unpraktischen Querformat?

Schaltung

Ein ebenfalls sehr wichtiger Teil. Mehr Bauteile bedeutet für mich nicht besserer Sound, sondern eher: komprimierte Dynamik, höhere Fehleranfälligkeit, kompliziertere Fehlersuche. Lieber durchdachte, einfache Schaltungen mit hochwertigen Bauteilen. Bauteile, welche zu knapp dimensioniert sind, gehen schnell kaputt. Wenn ein Effektgerät bei 12V statt 9V Betrieb gleich schlapp macht, laste ich dies der schlechten Bauteilevaluation an.